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Geschafft! 100 Meilen um Berlin | 6 Takeaways vom Berliner Mauerlauf vom Ultra-Läufer Harry Lange

by Claudia Marra - 28 Aug, 2019

Harald Lange ist Ultraläufer - einer,  der vor keiner Herausforderung Halt macht, trotz seiner Sehbehinderung. Letztes Wochenende ist er den “100Meilen Berlin” gelaufen, ein über 160km langer Lauf rund um Berlin. Und das war auch “nur” ein Vorbereitungslauf für den Spartathlon, einem 246-km-Marathon von Athen nach Sparta. (Unglaublich? Hier geht es zu Harrys Laufberichten.) $PreviewBreak

Sie laufen selbst, und spielen mit dem Gedanken, einen Ultra in Angriff zu nehmen? Harry hat für Sie 6 Take aways zusammengestellt, die Sie in die Spur bringen.

1. Fang’ an!

Die einen sagen Spinnerei, die anderen finden es einfach nur faszinierend, was man mit seinem eigenen Körper ohne Hilfsmittel alles machen kann. “Warum sollte ich das tun, Ultra laufen?” Wenn die Motivation da ist, muss man nicht viel hinterfragen – das kann man ja bei jedem Sport. Also mach’ es einfach, und fang’ am besten gleich heute an. Ausreden nützen nichts: Willst du einen Ultra schaffen, musst Du nämlich stetig an Dir arbeiten und trainieren. Ob es regnet oder schneit: Du musst raus.

Ist dieser erste Schritt erst einmal geschafft, wirst Du merken, wie schnell sich Deine Wahrnehmung ändert: Es wird immer mehr möglich, und das ist ja auch die treibende Kraft. Als ich mich 2011 dazu entschied meinen ersten Marathon mit 31 zu laufen, hatte ich Angst, diese Distanz nicht zu schaffen. Weiter als 42,2km zu denken, kam mir bis dato noch gar nicht in den Sinn. Man hat mir wohl davon erzählt und ich hörte unglaubwürdig zu, aber ich konnte mir das nicht vorstellen. Dennoch wollte ich nach meinem ersten Marathon wissen, wie man sich auf sowas vorbereitet und ob ich das auch kann. Heute ist mein Ziel der Spartathlon mit 246 km.

2. Geh’ es langsam an – und lern’ Dich dabei selbst kennen.

Du hast deine 1-2 Marathons schon hinter Dir und schon einige Trainingskilometer hinter Dir gelassen? Du bist gut trainiert und überstehst einen Marathon unverletzt (im Sinne von gesundheitlichen Beeinträchtigungen)? Du kannst Dir vorstellen, auch was Längeres zu versuchen? 

Mein Tipp: Willst Du 100km laufen, sollte Dir die Marathondistanz problemlos immer gelingen und es empfiehlt sich, das eine oder andere Testrennen zu laufen, das zwischen 50 und 100 km angesiedelt ist.

Ich finde dabei wichtig, nichts zu übereilen. Gut bei einem Marathon abzuschließen heißt nicht, gleich in Profi-Zeit ins Ziel zu kommen, sondern gesund und froh darüber, dass man es geschafft hat. Nimm Dir also die Zeit, die Du brauchst um sagen zu können “Ja, ich bin soweit!” Ich ließ mir für meinen ersten Marathon knapp 2 Jahre Zeit. In der Zeit sammelte ich Rennerfahrung auf den Unterdistanzen und Halbmarathons, lernte meinen Körper einzuschätzen, bereitete Bänder und Sehnen auf die Belastung vor und übertrieb es nicht mit den Rennen, an denen ich mich anmeldete.

3. Halte Dir das Ziel vor Augen

Ich melde mich gezielt für Rennen an und suche mir immer ein Endziel. Willst Du 100km schaffen, wirst Du rausgehen weil Du das Ziel vor Augen hast. Mir persönlich fällt es schwer, etwas Sinnloses zu tun oder zu trainieren – und bei langen Distanzen fühlt sich das auch oft so an. Gute Anfangs-Ultraläufe sind z.B. der Thüringer Rennsteiglauf oder noch besser ein Rennen wie der 50km Rodgau Ultramarathon. Handelt es sich um ein Rennen was in Runden abläuft, wie z.B. beim Rodgau 50km Ultramarathon, wo man 10 Runden à 5km läuft, hat das den Vorteil einer gewissen Sicherheit. Man könnte vorzeitig aussteigen, wenn es nicht mehr geht und hätte es nicht weit zum Start (Nachteil ist aber, dass man gern Ausreden für den Ausstieg sucht). 

Mir ging es schon so, dass ich gern das ein oder andere Rennen hingeschmissen hätte aber mir überlegt habe, was es für ein Theater wäre, zum Start zurückzukommen und dann beschloss, das Rennen zu Ende zu laufen, weil es die einfachere Lösung war.

4. Mach Dich auf Durchhänger gefasst

Distanzen über 42,2 km sind lang, und die Frage nach dem Sinn kommt schon öfter mal auf. Die 100 Meilen Berlin war zum Beispiel für mich eines der schwersten Rennen, das ich je gelaufen bin. Noch nie verspürte ich so ein starkes Verlangen danach, ein Rennen aufzugeben...

Ich persönlich muss bei jedem Ultra kämpfen, bis der erste Marathon rum ist. Wenn die ersten 42,2 km gelaufen sind, geht es erstmal wieder zuversichtlich weiter. Das ist dann vor allem Kopfsache: Verlierst Du Bezug zu Zeit und Raum und fängst Du an, von Kilometerzeiten zu phantasieren und ständig Deine Laufzeit hochzurechnen, musst Du Deine Gedanken ins Positive lenken. Das ist etwas ganz Persönliches, es kann auch nur der Gedanke sein, jemandem am Ziel eine Freude zu machen.

5. Lerne, mit wenig auszukommen

Zum Laufen braucht man nicht viel: Kein Schnickschnack, keine Extra Ausrüstung, bis auf das Schuhwerk vielleicht. Da musst Du für Dich herausfinden, welches Modell am besten zu Deinen Bedürfnissen passt.

Ansonsten gilt: Weniger ist mehr. Du musst vor allem auf Deinen Körper zählen können. Das Richtige dabei zu haben (und im Notfall einfach darauf verzichten zu können!), ist Teil des Trainings. Wenn Du einmal 100 km läufst, weißt Du im Nachhinein besser, wie Dein Körper funktioniert, und wo Du vorsorgen muss. Seit ich Zehensocken trage, weiß ich zum Beispiel, dass ich mich nicht mit Blasen kämpfen muss, das ist bei der Anstrengung schon ein Hindernis weniger. 

Was Verpflegung angeht, so gibt es zwar regelmäßig Verpflegungspunkte auf der Strecke, aber nicht immer passt das zu Deinen Bedürfnissen: Mal “kommt” einer zum falschen Zeitpunkt, mal scheint der nächste unendlich weit weg zu sein oder sie haben gerade nicht das, was Du brauchst. Ich weiß zum Beispiel: Auch wenn Kreislauf und Magen rebellieren – Brühe geht bei mir immer. Deshalb habe ich da mein Tütchen mit, und letztens habe ich die Brühe sogar mit kaltem Wasser anrühren müssen. Lecker war das nicht, aber Hauptsache, es funktioniert.

6. Lauf weiter!

Eine letzte Ultra-Weisheit: Wenn es läuft, lass es laufen! Lass Dich nicht von anderen Sachen aufhalten, halte Dich nicht an Verpflegungspunkten auf, wenn Du es nicht unbedingt brauchst. Laufe einfach so weit, und so lange Du kannst, das nächste Tief wird schon kommen – und dann musst Du traben.

Irgendwann ist es dann zu spät, um abzubrechen, und dann heißt es nur noch: Ankommen! Wenn das Deine Einstellung ist, hält Dich eigentlich nichts mehr zurück. Also: Nimm Dir eine kurze Auszeit nach dem Lauf (aber nicht mehr als ein paar Tage), um den Körper zu regenerieren, und dann mache mit Deinem Training normal weiter. Denn ein Ziel vor Augen ist gut, aber Laufen – das ist keine einmalige Sache. Das ist ein Lebensstil.

Harry Lange ist ein fast blinder Ultra-Läufer aus Hofheim im Taunus. 1980 geboren, lief er einen ersten Marathon mit 31 Jahren im Jahr 2011. Seinen Weg zum Marathon-Laufen beschreibt er in den Büchern “...Und DU kannst es schaffen!” und “Willensstark”. Harry läuft seit 2014 mit Zehensocken von Knitido® – den "100Meilen Berlin" Ultra-Marathon hat er mit den Kompressions-Zehensocken Asymmetric Compression 2.0 bestritten.

 

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